Wie kann man sich treffen

Statistik Austria Gehalt Manner Frauen

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Das Festhalten an überkommenen Mythen grenzt freilich an Realitätsverweigerung. Seit März müssen Unternehmen mit mehr als Mitarbeitern Berichte über die durchschnittlichen Einkommen ihrer weiblichen und männlichen Beschäftigten vorlegen. In der Praxis bestehen die Reports aus einer Anhäufung anonymisierter Zahlenreihen und Excel-Tabellen, gedacht allein für den betriebsinternen Gebrauch. Gabriele Heinisch-Hosek ist auch ohne Detailkenntnisse zufrieden: Es gibt keine wesentlichen Lohnunterschiede.

Exemplarisch die Stellungnahme von Fritz Hagl, Zentralbetriebsratsvorsitzender der Siemens AG Österreich Dort, wo noch marginale Unterschiede auftreten, sind diese durch Montagearbeiten beziehungsweise die unterschiedliche Abgeltung von Mehrleistungen erklärbar. Gedacht waren die Einkommensberichte als Druckmittel gegenüber Unternehmensführungen, denen Geschlechterdiskriminierung bislang einfach egal war. Dass der Mythos von den 25 Prozent Lohnunterschied bei gleicher Arbeit nicht länger zu halten ist, war schon lange klar.

Die Studienautoren, darunter Christine Zulehner, eine Expertin für feministische Ökonomie, halten fest, dass ein Teil der verbliebenen zwölf Prozent des Gehaltsunterschieds durch Faktoren wie Karrieremotivation und Engagement bedingt sein könnten. Nur für den Rest gilt tatsächlich der Verdacht auf Frauendiskriminierung.

Auf diese Weise reduziert sich der Lohnunterschied in Deutschland auf nur noch acht Prozent. Dabei sind Babypausen als Ursache für geringere Einkommen noch gar nicht berücksichtigt, weil ausgerechnet dazu die Daten fehlen. Von den 25 Prozent Lohnunterschied ist die Realität weit entfernt, die Wahrheit ist einstellig. Es gibt jedoch auch Kritiker dieser statistischen Bereinigung, die einwenden, einige der Faktoren hätten sehr wohl diskriminierenden Charakter.

So sei die Tatsache, dass einige der typischen Frauenberufe besonders schlecht bezahlt sind, ein Beweis dafür, dass die Benachteiligung auf umfassendere Weise wirke. Wann immer Frauen einen Beruf für sich erobern, sinke die Entlohnung. Tatsache ist, dass der bereinigte Wert von acht Prozent Lohnunterschied sogar auf der Webseite der deutschen Equal-Pay-Day-Initiative angeführt wird. Auf das Datum des Gedenktags selbst hat dies allerdings keinen Einfluss.

Fragt man sie aber, geben sie eher an, Probleme mit dem Fach zu haben. Später wird in der Schule aus der verzerrten Wahrnehmung eine Realität. Ein Vorgesetzter mit konservativem Rollenbild könne schon einmal einen Mann bevorzugen, sagt Christine Zulehner. In Vorständen sind Frauen nach wie vor massiv unterrepräsentiert. Dass es nicht an zu wenig qualifizierten Frauen liegt, zeigt eine Evaluierung der Frauenquote in Norwegen.

Dort müssen 40 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich sein, was dazu geführt hat, dass Frauen in Vorständen im Schnitt jetzt besser qualifiziert sind als vorher. Das könnte daran liegen, dass die Firmen durch die Quote dazu gezwungen wurden, sich schlicht besser umzusehen. Mehr Lust auf Wettbewerb, auf Risiko, auf Konfrontationen mit Vorgesetzten bezüglich des Gehalts, Männernetzwerke: All das spielt eine Rolle, um die restlichen elf, zwölf Cent zu erklären, die Frauen im Schnitt in der Stunde weniger verdienen.

Eine der renommiertesten Forscherinnen im Feld hat aber noch eine ganz andere Erklärung gefunden, die ihrer Meinung nach viel wichtiger ist. In Österreich arbeiten zwei Drittel der Mütter zwischen 25 und 49 Teilzeit, unter den Vätern macht das nur einer von zwanzig. Die Studien von Goldin zeigen, dass es eine hohe "Pönale" dafür gibt, wenn man nicht auch einmal Überstunden oder vielleicht 50, 60 oder gar 70 Stunden die Woche arbeiten kann.

Besonders stark ausgeprägt ist das im Finanzsektor und im Management. Diese gutbezahlten Jobs kriegt nur, wer sein Privatleben zurücksteckt. Für eine Familie sei es daher finanziell rational, wenn sich einer auf die Karriere konzentriert, sagt Goldin. Bevor man sich aber den Kopf darüber zerbricht, dass die Schere vielleicht nie ganz zugeht, lässt sich hierzulande noch einiges tun.

In Skandinavien fehlen Frauen im Schnitt nur 15 bis 18 Cent. Wenn sich Österreich mit seinen 23 Cent eine Scheibe abschneiden will, braucht es mehr Ganztagesschulen, Kindergärten, die nicht um 14 Uhr zusperren, es muss Schluss sein mit dem "Anwesenheitsfetischismus" im Büro, wie Ines Stilling vom Frauenministerium sagt. Des Weiteren sei es der Fall, dass Männer in besser bezahlten Branchen arbeiten und ein besseres Geschick in punkto Gehaltsverhandlungen aufweisen würden.

Und es existiert auch die Annahme, Männer würden in ihrem Unternehmen lieber Männer anstellen als Frauen. Equal Pay Day — Anlass zur Heiterkeit? Jahr für Jahr flammt an diesem Tag die Diskussion auf, warum Frauen eigentlich weniger verdienen als Männer und was dagegen getan werden könnte. Doch es können in Bezug auf die unselbstständig erwerbstätigen Frauen in Österreich Fortschritte festgestellt werden — es wird demnach ein leichter Trend in Richtung Gleichberechtigung sichtbar.

Doch diese Zahlen sind kein Grund, um zu feiern. Doch noch schlimmer sieht es bei den unselbstständig erwerbstätigen Frauen aus: Brutto Netto Rechner sorgt für Aufklärung Ein Brutto Netto Rechner liefern Interessierten Aufschluss, wie viel sie eigentlich verdienen.


Ungleiches Einkommen von Anfang an

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